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Mieze Schindler - Romantik im Glas!

Die Königin unter den Fruchtaufstrichen

Das Besondere unserer Marmelade

Die Pflanzen wurden explizit für uns von Herrn Dr. Olbricht angepflanzt. Dieser begleitet die komplette Wachstums- und Erntephase. Klaus Olbrichts Arbeitsplatz ist eine Art Erdbeer-Arche-Noah. Auf den Feldern und in den Gewächshäusern der Bundesanstalt für Züchtungsforschung, am Stadtrand von Dresden, gedeihen Hunderte von Sorten, die anderswo längst vergessen sind. Der in der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen in Dresden-Pillnitz beschäftigte Forscher hat täglich mit der Königin der Früchte zu tun. Er ist der einzige hautberufliche Züchter in ganz Deutschland.
Olbricht könnte ohne weiteres als „Hüter der Erdbeere“ bezeichnet werden. Nach der deutschen Einheit übernahm das Pillnitzer Institut mit seiner 75-jährigen Erfahrung alle obstzüchterischen Aufgaben. Seit 2002 ist Olbricht am Institut und kümmert sich um die Pflanze. Gekocht wird unser Fruchtaufstrich in einem kleinen Hofladen etwas außerhalb von Dresden. Die Kochung verläuft traditionell im großen Kochtopf nach herkömmlicher Art.

Ein paar Fakten

Pflanzabstand von: 35 cm
Wuchsform: buschig
Wuchshöhe: ca. 22 cm
winterhart: ja
Winterhart bis: - 18 °C
Resistenz: wenig anfällig für Mehltau
Verzehrhinweis: essbar, aromatisch süß
Befruchtungssorten: zu meist Ostara
Merkmale: Bienenfutterpflanzen, Schmetterlingspflanzen

Die kleine Mieze Schindler

Eine Liebeserklärung

Sehr oft finden sich große Namen, Prominenz, gar der Adel in der Botanik wieder. "Astrid Lindgren" oder "Laetitia Casta" sind formschöne und wohlduftende Rose, welche man in dem einen oder anderen Garten findet. Und wer keinen eigenen Garten sein Eigen nennen kann, stellt sich die bolivianische Orchidee "Maxillaria gorbatschowii" - benannt nach der bedeutenden politischen Größe Michail Gorbatschow - auf sein Fenstersims.

Prof. Dr. Otto Schindler, zu seiner Zeit Direktor der Höheren Staatslehranstalt für Gartenbau in Dresden, war nicht sonderlich bekannt. Auch seine Frau trug keinen bedeutenden Titel. Dennoch beschloss er, dass Glanzlicht seiner Züchter-Karriere, nach dem Kosename seiner Frau Emilie Schindler zu benennen. Ob er damals bereits wusste, dass Mieze fast 100 Jahre später immer noch als leckerste Erdbeere der Welt gilt und er sich somit unsterblich machte, kann bezweifelt werden. Nichtsdestotrotz ist es eine der schönster und romantischten Liebeserklärungen der Zeitgeschichte.

Ein geschichtlicher Streifzug

Schön muss sie gewesen sein – die Frau von Professor Otto Schindler aus Dresden. Sonst hätte er im Jahre 1925 wohl nie die Krone seiner Züchtungsarbeit, eine neue ganz besonders verführerisch duftende Erdbeersorte nach seiner ihm Liebsten benannt. Schön und zerbrechlich – denn so hocharomatisch so delikat ist die Erdbeere. Nur wenige Stunden nach der Ernte kann man die betörenden Früchte genießen. Ein Grund warum die süße Mieze schließlich im wachsenden Wohlstand Nachkriegsdeutschlands beinahe verschwand – galt sie doch als untauglich im Angesicht der auf den Markt strömenden größeren und länger haltbaren Erdbeersorten. Nur auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs, im Schatten einiger Hausgärten überlebte sie. In der ehemaligen DDR gab es eine andere Selbstversorgung, welche zumeist aus der Not heraus entstand.  Das Sortenverständnis war und ist zum Teil auch noch heute, höher als im Westen. Zum Glück für alle jene, für die Geschmack keine nebensächliche Angelegenheit ist – denn die Aromatik der kleinen, tiefdunkelroten Mieze nach süßen, vollreifen Walderdbeeren bleibt bis heute einzigartig. Eine Frucht ganz wie Marylin – der einzige Schönheitsmakel bleibt ihre Vergänglichkeit. 

Hoch aromatisch, verspielt im Geschmack

Die winterharte Erdbeere "Fragaria ananassa" gehört zu den bekanntesten und ältesten Sorten weltweit. Sie ist bei weitem nicht so ertragreich wie Andere, jedoch punktet ihre tief dunkelrote Frucht mit einem ausgewogenen, säuerlich- süßen Aroma. Zumeist erinnert der Geschmack vollmundig an Walderdbeeren. Aus den weißen Blüten, welche von Mai bis Juni zahlreiche nützliche Insekten anlocken, entstehen an sonnigen bis halbschattigen Standorten saftige, jedoch sehr empfindliche Beeren, welche am besten frisch gepflückt verzehrt werden sollten. 'Mieze Schindler' wächst bevorzugt auf durchlässigem und nährstoffreichem Substrat in lockeren Horsten und bildet zahlreiche Ausläufer. Sie ist sehr robust und nur wenig anfällig für Mehltau und Rhizomfäule. Eine Besonderheit dieser hochempfindlichen Beere ist, dass sie nicht selbstbestäubend sondern eine weitere Erdbeersorte in unmittelbarer Nähe benötigt, um sich entsprechend entwickeln zu können. Außen sind die Früchte dunkelrot mit deutlich eingesenkten Nüsschen, innen ist das Fruchtfleisch rosa. Da die Frucht sehr druckempfindlich und somit nicht lagerfähig ist, wird sie kommerziell selten, etwa für die Erzeugung von Marmelade, angebaut.